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Warum ich Bauagent.ai gebaut habe

· Michael Hilgers

Das Paradox des Ingenieurs

Ich sitze in einem Meeting bei LIGNA Systems und erkläre meinem Team, warum unser internes Planungssystem eine bestimmte Anforderung nicht abdecken kann. Das System, das ich selbst gebaut hatte. Das seit Jahren produktiv läuft.

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Ich muss neu bauen.

Mein Name ist Michael Hilgers. Ich entwickle seit 20 Jahren Software. Seit 10 Jahren bin ich Teilhaber und Mitgeschäftsführer bei LIGNA Systems in Belgien – wir planen, produzieren und montieren Holztragwerke für den Hallenbau, Spannweiten bis 70 Meter, europaweit. Software und Betrieb sind bei mir nie zwei verschiedene Welten gewesen.

Was ich bereits gebaut hatte

Als ich anfing, das interne Portal zu entwickeln, war die Ausgangslage klar: Projektverwaltung in Excel, Aufgaben per E-Mail, Auslieferungsplanung auf dem Whiteboard. Das funktionierte – bis es nicht mehr funktionierte.

Das System, das daraus entstanden ist, ist kein kleines Tool. Es läuft bis heute produktiv und umfasst: Projektverwaltung, Auftragsverwaltung, Aufgabenverwaltung, Projektanalytik, Auslieferungsplanung, Produktverfolgung, Dokumentenverwaltung und Schnittstellen zu ERP und Buchhaltung. Gebaut von einer Person, nebenbei zum Tagesgeschäft.

Andere Betriebe haben über die Jahre gefragt, ob sie es nutzen könnten. Die Antwort war immer: Es ist zu sehr auf LIGNA zugeschnitten. Zu viele Annahmen eingebaut, zu wenig flexibel. Nicht für andere gedacht.

Das war die erste Version. Sie hat uns weit gebracht.

Wo es gebrochen ist

Drei Grenzen sind sichtbar geworden – nicht als theoretische Probleme, sondern als echte Reibung im Alltag.

Mobile. Das System war für Desktop gebaut. Wer auf der Baustelle steht, hat ein Handy. Kein Laptop, keine ruhige Umgebung, manchmal Handschuhe. Die Hürde, etwas einzutragen, war zu groß – also wurde es nicht eingetragen. Die Information existierte, aber sie ging verloren.

KI-Integration. Als Sprachmodelle produktionsreif wurden, war sofort klar, was das bedeuten könnte: Monteure schicken Fotos, eine KI erkennt automatisch ob das ein Mangel ist, ein Fortschritt, eine Behinderung. Kein manuelles Kategorisieren. Kein Formular. Aber das alte System war nicht auf diesen Gedanken ausgelegt – das wäre strukturelle Umbauarbeit gewesen, keine Erweiterung.

Dynamische Workflows. Das ist der schwierigste Punkt. Ein Auftrag bei uns ist selten linear. Produktion läuft, dann stoppt ein Teil. Ein anderes Bauteil wird vorgezogen. Die Montage beginnt, bevor alles produziert ist. Das alte System kannte starre Blöcke. Es konnte nicht folgen, wenn sich die Realität anders entwickelte als geplant. Ein Auftrag der sich teilt, Abhängigkeiten die sich verschieben, Ressourcen die neu verteilt werden müssen – das alles erforderte manuelle Korrekturen außerhalb des Systems.

Ich hätte das schrittweise modernisieren können. Aber das hätte bedeutet: jahrelang Kompromisse, ohne je wirklich vorne anzukommen.

Die Entscheidung, die alles verändert hat

Anfang 2026 wurde mir klar: Ich muss neu bauen. Seit April entwickle ich aktiv an Bauagent.ai.

Die Frage war: Für LIGNA – oder für alle?

Früher wäre “für alle” unrealistisch gewesen. Ein generisches SaaS für eine Branche mit so viel Varianz – Holzbau, Stahlbau, Werkstatt, Baustelle, verschiedene Unternehmensgrößen – das hätte ein ganzes Team gebraucht. Ich bin einer.

Aber die Gleichung hat sich verändert.

KI hat in den letzten zwei Jahren die Ökonomie der Softwareentwicklung grundlegend verschoben. Was früher ein Team und Monate brauchte, ist heute erreichbar für eine Person mit dem richtigen Domänenwissen. Und Domänenwissen ist genau das, was ich habe. Ich kenne die Branche nicht aus Interviews und Recherchen – ich lebe darin seit zehn Jahren.

Das ist der eigentliche Engpass: nicht Kapazität. Wissen.

Also habe ich entschieden: Wenn ich neu baue, baue ich es richtig. Für alle Betriebe, die das gleiche Problem haben. Nicht als Nebenprojekt, sondern als Produkt.

Das Chaos auf der Baustelle

Die Entscheidung war gefallen – aber womit anfangen?

Die Antwort lag auf der Hand: WhatsApp.

In unserem Betrieb und in jedem anderen, den ich kenne, gibt es eine Baustellengruppe. Monteur schickt ein Foto. Bauleiter schreibt eine Sprachnachricht. Vorarbeiter bestätigt, dass die Lieferung da ist. Die Informationen fließen – stündlich, täglich, zuverlässig.

Das Problem ist nicht, dass zu wenig kommuniziert wird. Das Problem ist, was danach passiert: nichts. Nach zwei Wochen ist die Gruppe ein Archiv das keiner durchsucht. Ein Transportschaden, kurz erwähnt und nie dokumentiert. Eine Behinderung nach VOB/B, per Sprachnachricht gemeldet und dann vergessen. Drei Wochen später bei der Abrechnung: Diskussionen. Wer ist schuld am Verzug? Wer trägt die Standzeit? Kein Nachweis, kein Beleg. Das sind Tausende Euro im Jahr – nicht weil die Information nicht da war, sondern weil sie nirgendwo festgehalten wurde.

Dazu kommen die Tagesberichte. Jeder Bauleiter soll welche schreiben. Jeder tut es anders. Einer ausführlich, einer mit drei Stichworten, einer gar nicht – weil er nach zehn Stunden Baustelle abends keinen Laptop mehr aufmacht. Das ist kein Versagen, das ist ein Systemfehler. Das System verlangt von Menschen, die körperlich arbeiten, dass sie abends noch Büroarbeit machen.

So entstand Felix

Die Idee ist simpel: Was wenn jemand die WhatsApp-Nachrichten mitliest und automatisch daraus eine Dokumentation macht?

Nicht ein Mensch, der dafür abgestellt wird. Eine KI, die erkennt: Das ist ein Fortschritts-Update. Das klingt nach einem Mangel. Das ist eine Behinderungsmeldung, die einen Nachtrag auslösen könnte. Und die daraus strukturierte Einträge macht – Tagesbericht, Mängelprotokoll, Behinderungsanzeige – ohne dass jemand extra etwas tun muss.

So entstand Felix, der KI-Assistent in Bauagent.ai.

Die Monteure schreiben und fotografieren wie immer. Felix liest mit, ordnet zu, dokumentiert. Am Ende des Tages gibt es einen fertigen Tagesbericht. Keine neue App, die keiner installiert. Kein Login, den jeder vergisst. Kein Formular, das auf dem Gerüst ausgefüllt werden muss. Einfach WhatsApp – das jeder kennt.

Das gleiche Prinzip gilt für die Produktion. Der Abbund-Mitarbeiter meldet seinen Tagesfortschritt per Nachricht. Die Vormontage dokumentiert fertige Baugruppen. Eine Maschinenstörung wird sofort festgehalten. Felix verknüpft diese Meldungen mit dem Auftragsplan.

Was Bauagent.ai ist

Bauagent.ai ist kein reines Dokumentationstool.

Es ist eine operative Plattform – für die Verbindung zwischen Werkstatt, Baustelle und Büro. Auftragsplanung mit Gantt-Ansicht und Abhängigkeitsmanagement, Konflikterkennung wenn Ressourcen überlastet sind, automatisch generierte Vorlaufaufgaben für Beschaffung und AV, Tagesbericht-Automatisierung über Felix, und strukturierte Dokumentation aller Ereignisse auf der Baustelle.

Das Ziel ist nicht, Excel komplett zu ersetzen – das wäre naiv. Das Ziel ist, die Stellen zu schließen, an denen Informationen heute verloren gehen: zwischen dem was auf der Baustelle passiert und dem was im System steht.

Warum ich das öffentlich mache

Ich hätte Bauagent.ai intern halten können. Das wäre einfacher gewesen.

Aber im Austausch mit anderen Betrieben in den letzten Jahren habe ich immer wieder das Gleiche gehört: dieselben WhatsApp-Gruppen, dieselben fehlenden Tagesberichte, dieselben verlorenen Nachträge. Zimmereien, Stahlbauer, Dachdecker, Fassadenbauer – die Branche ist unterschiedlich, die Probleme sind gleich.

Ich mache das öffentlich, weil ich glaube, dass ein System, das echten Betriebsalltag versteht, besser wird wenn es in echten Betrieben läuft. Nicht in einer Testumgebung, nicht nach Interviews – sondern auf echten Baustellen mit echten Problemen.

Wenn du einen Baubetrieb führst und dich in diesem Text wiedererkennst: Ich bin an deiner Erfahrung interessiert, nicht an deinem Budget. Schreib mir. Was funktioniert, was nervt, was fehlt – das ist das Feedback, das zählt.

Michael Hilgers Gründer, Bauagent.ai


Felix wird zuerst bei LIGNA Systems eingeführt – auf echten Projekten im Holztragwerksbau. Was ich dabei lerne, fließt direkt ins Produkt.

Baudokumentation automatisieren?

Closed Beta – begrenzte Plätze für Pilot-Betriebe.